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Tag vier: Was sich Ilja von dieser WM verspricht

7. Juni 2010

Und plötzlich stand dann eine Frau mit strengen Locken am Polizeiauto und verkündete durch den Lautsprecher, dass von den Karten für die Spiele in Kapstadt, deretwegen sich die Menschen eine ganze Nacht und manche sogar noch den Tag davor um die Ohren geschlagen hatten, ohnehin keine mehr da seien. Erhältlich seien nur noch „Premium-Tickets“ für 1400 Rand. Das ist das Zehnfache dessen, was die meisten auszugeben in der Lage gewesen wären. Karten der günstigsten Kategorie, die die Fifa extra für die Südafrikaner reserviert hatte, kosteten 140 Rand, das sind umgerechnet etwa 14 Euro. Die Enttäuschung verbreitete sich auf dem Parkplatz, auf dem wir gemeinsam mit etwa 100 Kapstädtern unser Nachtlager aufgeschlagen hatten, wie eine hochansteckende Krankheit. Die meisten zogen irgendwann ohne Tickets davon, wüst vor hin schimpfend, dass die Fifa keines ihrer Versprechen wahr gemacht hat.

Es sind noch drei Tage bis zum Beginn der Weltmeisterschaft. Was sie aus diesem Land machen wird, ist nach wie vor nicht abzusehen, was nicht nur an den dunklen Regenwolken liegt, die über Kapstadt hängen. Die Massenpanik von Johannesburg war zwar Titelthema der Cape Times, auf dem Parkplatz hat aber zum Beispiel keiner darüber gesprochen. Viele erwarten trotz allen Ärgers, dass mit dem Anpfiff des Eröffnungsspiels am Freitag eine Euphorie ausbricht, die das Land über die kommenden vier Wochen trägt. So wie Ilja, den wir in der Schlange kennengelernt haben. Er kümmert sich schon seit März vergangenen Jahres um Karten.

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“Ich stamme ursprünglich aus Bulgarien, lebe aber schon seit 1992 hier. Ich kam gestern abend um acht hier an, jetzt ist es acht Uhr morgens. Ich habe schon etliche Karten, aber ich bin hier, um Tickets fürs Halbfinale zu bekommen. Ich bin mir sehr sicher, dass, wenn das Eröffnungsspiel erst einmal angepfiffen ist, die Stimmung explodieren wird. Die Leute werden durchdrehen und die Party wird das ganze Turnier über dauern.”

Frey & Schächtele dagegen sind noch nicht dazu gekommen, sich darüber Gedanken zu machen, was bei uns explodieren könnte. Wir haben heute zwar Karten für das Gruppenspiel der Deutschen gegen Serbien ergattert, den Rest des Tages aber im schicken Büro von Africade verbracht, einer Firma, die einer deutschen Freundin gehört – Aussicht auf den nebelverhangenen Tafelberg inklusive. Denn wir sind ja nicht zum Spaß hier: Morgen wird es an dieser Stelle unsere erste Tonbild-Reportage geben.

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3 Kommentare zu 'Tag vier: Was sich Ilja von dieser WM verspricht'

  1. herzober sagte am 7. Juni 2010 um 23:15 Uhr:

    Glückwunsch!! Deutschland gegen Serbien, so ganz am Rand bemerkt, auch nicht schlecht! Könnte schon ganz spannend werden. Nehmt eine Vuvuzela mit und spielt diese! Dann weiß ich, daß Ihr im Stadion seid!
    Viel Spaß noch und ich bin mal mächtig gespannt auf den morgigen Beitrag!
    A. S. aus F.

  2. Gabriele sagte am 8. Juni 2010 um 15:22 Uhr:

    Hier schreibt Euch die letzte Fußball-Ignoratin, inzwischen auch unter den Frauen ganz allein. Kai, ich wünsche mir eine Postkarte! Mit Autogramm! Wo schlaft Ihr eigentlich? In diesem komischen, roten Auto? Der Fußballgott wird Euch bestimmt noch schöne Eintrittskarten besorgen, auch wenn es mir gefällt, wie Ihr um das Stadion herum berichterstattet. Damit fühlen sich die meisten Menschen auf der Welt gut vertreten. Schöne Grüße aus Berlin von Stamm-Leserin Gabriele

  3. kaischaechtele sagte am 8. Juni 2010 um 15:29 Uhr:

    Liebe Gabriele, wir schlafen dort, wohin uns der Fußballgott verschlägt. Im Moment ist es ein kleines Häuschen in den Kapstädter Suburbs. Unser rotes WM-Mobil ist dafür etwas zu unkomfortabel. Die Postautogrammkarte folgt.

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