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Tag 30: Warum Deutschland uns dankbar sein darf

4. Juli 2010

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Natürlich haben die Deutschen überragend gespielt. Natürlich hat es Joachim Löw verstanden, Messi dadurch kaltzustellen, dass die Passwege zu ihm verbaut waren und Messi wie ein Kind wirkte, mit dem niemand spielen will. Natürlich hat sich Bastian Schweinsteiger, der im südafrikanischen Fernsehen „Swainsteigör“ genannt wird, zu einer der herausragenden Spielerpersönlichkeiten dieser WM aufgeschwungen. Aber natürlich kann auch nicht unerwähnt bleiben, welch großen Anteil wir daran haben, dass die Deutschen im Halbfinale stehen.

Erstens: Wir waren nicht im Stadion, anders als bei den Spielen Deutschland gegen Serbien und Ghana gegen Uruguay, als noch jeweils die falsche Mannschaft gewonnen hatte. Wir hatten noch kurz überlegt, ob wir zum Viertelfinale nach Kapstadt flitzen sollten, haben aber im Interesse des deutschen Fußballs davon abgesehen.

Zweitens: unsere Voodoo-Puppe, die wir von unseren brasilianischen Freunden bekommen hatten. Die haben wir in der Bar, in der wir das Spiel mit Freunden und Kollegen aus Deutschland sahen, so vor der Leinwand drapiert, dass sie ihre zerstörerischen Kräfte ungehindert entfalten konnte.

Drittens: Kurz vor Spielbeginn haben wir bei den Weisen von Johannesburg Halt gemacht. Auf dem Weg in die Bar waren wir zufällig am Deutschen Altersheim vorbeigekommen und wollten kurz sehen, wie die Damen und Herren das Spiel dort verfolgen. Im Café des Heims saßen nur Gonny und Margareth vor dem Fernseher. Die erzählten uns, dass samstags normalerweise ein Kaffeekränzchen angesetzt, das wegen des Spiels aber abgeblasen worden sei. Wo all die anderen seien, wüssten sie nicht, sagte Margareth. Sie aber wollten sich das Spiel auf keinen Fall entgehen lassen. „Nur weil wir alt sind, heißt das doch nicht, dass wir uns ins Bett legen und aufs Sterben warten müssen.“ Gerade noch rechtzeitig, um Müllers Tor zu sehen, haben wir uns dann verabschiedet – nicht aber, ohne uns vorher mit den Damen zu einem Kaffeekränzchen in der kommenden Woche verabredet zu haben.

Viele Südafrikaner, so haben wir den Eindruck, sind nicht nur inzwischen überzeugt, dass die Deutschen den Titel holen. Sie drücken den deutschen Mannschaft auch die Daumen. So wie Gloria, die Frau, die wir für unsere Ton-Bild-Reportage vom Eröffnungsspiel begleitet hatten. Sie schickte uns gestern aus dem Kapstädter Stadion diese SMS:

„Hey Kai, just want to say hallo. hope you´re enjoying the world cup. guess what I think Germany wants to take the cup, they have been playing beautiful football. I´m at the stadium watching them live.“

Sie schrieb außerdem, dass sie mitten unter Deutschen sitze und sich gerade an ein paar deutschen Gesängen probiere. In einem Fernkurs haben wir ihr dann beigebracht, wie man „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ singt. Wenn wir schon nicht selbst im Stadion sitzen konnten, waren wir so wenigstens auf diese Weise Teil dessen, was sich an diesem sonnigen Winternachmittag Wunderbares in Kapstadt abspielte.

PS: Und macht Euch daheim in Deutschland keine Sorgen ums Halbfinale. Gemäß des Nike-Fluchs sind jetzt eben Fabregas, Piquet und Iniesta dran.

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