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"Die WM – ein Wintermärchen?" war für den Grimme Online Award 2011 nominiert! Aus 2100 Vorschlägen wurden 25 Webseiten ausgewählt, darunter unsere. Am Ende zählten wir zwar nicht zu den Ausgezeichneten, aber allein die Nominierung ist für uns ein toller Erfolg und ein Ansporn für unsere nächsten Reise.
Grimme Online Award 2011 Nominiert
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21. Juni 2010

5 Kommentare

So wie man an den Schuhen, die ein Mann trägt, sein Wesen erkennt, lässt sich an der Beziehung, die ein Land zum Fußball entwickelt hat, dessen Charakter ablesen. Die Österreicher etwa sind ein Volk, das durchdrungen ist von melancholischer Schwere, und so ist auch ihr Verhältnis zum Fußball eines, in dem sich helle Begeisterung mit düsterer Traurigkeit paart. Die Engländer tragen schwer daran, nur noch ein Schatten ihrer selbst zu sein, in der Weltordnung genauso wie auf dem Fußballplatz, erst recht bei dieser Weltmeisterschaft. Und wir Deutschen legen großen Wert auf Ordnung und Organisation und freuen uns über einen Sieg unserer Nationalmannschaft unabhängig davon, wie er zustande kam. Jedes Land, in dem der Fußball zu einem Teil nationaler Identität geworden ist, hat sein individuelles Verhältnis zu diesem Sport kultiviert. Für den Gastgeber dieser Weltmeisterschaft, für den am Dienstag nachmittag gegen 17 Uhr 45 mit dem Spiel gegen Frankreich aller Voraussicht nach auch dieses Turnier abgepfiffen sein wird, gilt das nur eingeschränkt: Der Sport ist nur für den schwarzen Teil dieses Landes identitätsstiftend. Aber auch das sagt viel aus über den Charakter Südafrikas.

Wir haben heute Station gemacht in Berlin, einem kleinen Nest im Nichts zwischen Port Elizabeth und Durban. Wer dorthin will, muss sich Kilometer um Kilometer auf der Fernstraße N2 voran arbeiten, gelegentlich warnen Straßenschilder vor kreuzenden Warzenschweinen, immer wieder tauchen Blechhüttensiedlungen am Horizont auf. Zola Williams, der Protagonist unserer Ton-Bild-Reportage von gestern, stammt aus genau dieser Gegend. Er hat in Eastern Cape seinen Schulabschluss gemacht und nach Arbeit gesucht, doch irgendwann musste er erkennen, dass er genauso viel Sinn hätte, hinter seiner Hütte ein Loch zu graben, um nach Öl zu bohren. Erst wenn man selbst sieht, wie wenig Leben es in dieser Gegend gibt, versteht man, warum so viele Menschen in die Großstädte ziehen, um dort nach Arbeit, Geld und Lebenssinn zu suchen. Mitten in dieser schier endlosen Weite liegt Berlin, ein Städtchen von 45 000 Einwohnern, wenn man alle Farmen und Hüttensiedlungen in der Umgebung mitzählt. 80 Prozent der Einwohner sind schwarz, 20 weiß. Mit anderen Worten: Für ein Fünftel der Berliner macht es keinen Unterschied, ob die WM in Südafrika oder in Spitzbergen stattfindet.

Wir waren in Berlin mit zwei entzückenden Damen verabredet: Koleka Mankongolo (im Bild links) und Lindi Mguni. Beide hat es in diese Gegend verschlagen, weil sie Männer von hier geheiratet haben. Koleka betreibt in Berlin eine Farm und besitzt außerdem eine Tankstelle in der Gegend, Lindis Farm liegt in einem benachbarten Örtchen – in Frankfurt. Kennen gelernt hatten wir die beiden am Freitag im Stadion von Port Elizabeth, wo sie, ausgestattet mit dem Trikot der südafrikanischen Nationalmannschaft, einer Schirmmütze und einem Sommerhut, neben uns saßen. Sie hatten sich vorgenommen, sich nur die Mannschaften anzusehen, die ihre Spiele auch gewinnen würden, erzählt Koleka.

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“Wir wollten die Deutschen sehen, die Brasilianer und die Italiener. Wir hatten so gehofft, dass die Deutschen gut spielen würden. Aber wir waren so enttäuscht. Die sind ja nur über den Platz spaziert. Ach, waren wir enttäuscht.”

Für die Damen ist es eine Selbstverständlichkeit, diese WM nicht vor dem Fernseher zu verfolgen, sondern im Stadion. Es sei ein Wunder, dass dieses Ereignis nach Südafrika gekommen sei, sagen sie. Und sie wollen an diesem Wunder teilhaben, an der Atmosphäre im Stadion, an den Menschen, die aus aller Welt nach Südafrika gekommen sind, trotz aller Bedenken, trotz aller Warnungen. Dass so etwas in ihrem Land passieren konnte, das macht sie einfach stolz, sagt Lindi.

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“Natürlich sind wir stolz. Wir sind stolz, euch in unserem Land zu Gast zu haben. Wenn ich den Fernseher anschalte, sehe ich die vielen Besucher und ich sehe, wieviel Spaß sie haben. Und das macht mich glücklich und stolz. Ja, ich bin stolz. Und wir spüren die Begeisterung immer noch (Anmerkung: trotz der Niederlage der Südafrikaner). Gerade jetzt im Moment mit euch hier. Wir spüren es wirklich, das ist toll. Wir lieben das.”

Doch für die beiden geht die Bedeutung des Fußball über diesen Stolz hinaus. Sie haben miterlebt, wie die Schwarzen während der Apartheid von den Weißen aus den Städten getrieben wurden, weit weg in die Prärie, abgeschnitten von allem, was ihnen die Chance auf Wohlstand hätte bieten können. Seit jeher ist Fußball in Südafrika ein schwarzer Sport. Wer einmal erlebt hat, wie Schwarze über einen bloßen, auf den Selbstzweck beschränkten Übersteiger lachen, als hätten sie einen guten Scherz gehört, spürt, dass in diesem Sport all das steckt, was ihnen die Apartheid versagen wollte: die Lebensfreude, die Begeisterung für den Moment, das Zusammensein. Der Fußball ist Teil der schwarzen Identität, auch deshalb, weil sich Weiße für ihn nicht interessieren.

So wie Collin Krauser, der Metzger von Berlin (Mitte). Krauser ist hier geboren, seine Eltern sind Deutsche, seit 32 Jahren arbeitet er schon im Metzgergewerbe. Der weiteste Ort, den er von seiner Heimat aus bislang besucht hat, war Johannesburg. Nein, sagt er, von WM-Atmosphäre sei hier nichts zu spüren. Unter der Decke hängt zwar ein Fernseher, auf dem die Spiele laufen. Das macht er aber vor allem der Kundschaft wegen. Er selbst hat mit Fußball nicht viel am Hut. Er ist im weißen Südafrika groß geworden, nicht mit einem Fußball, sondern mit einem Rugby-Ei.

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“Als ich klein war, habe ich Rugby in der Schule gespielt. Es gab keinen Fußball in der Schule hier in Berlin, die ich besucht habe. Kein Fußball. Wir haben Rugby gespielt und das wars.”

Vor 16 Jahren ist Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt worden. Doch die Gesellschaft ist längst noch nicht zusammengewachsen. Ihr Land sei eine Regenbogennation, sagen die Südafrikaner. Doch wenn man es genau nimmt, fließen auch in einem Regenbogen die Farben nicht ineinander, sondern bleiben sauber voneinander getrennt, vom Anfang bis zum Ende des Bogens. Am Dienstag nachmittag spielt nicht Südafrika gegen Frankreich – es tritt nur ein Teil Südafrikas an, auf dem Platz genauso wie in der Gesellschaft.

Update: Der aktuelle Stand unseres Unterstützer-Kontos: 786, 78 Euro (wer übrigens nicht auf unserer Unterstützer-Seite genannt werden, aber unsere Mission trotzdem mit einem Beitrag unterstützen möchte, oder kein Vertrauen in Paypal hat, melde sich, es gibt für jede Herausforderung die passende Lösung: schaechtele – at – me – Punkt – com). Und hier geht´s zu unserer Facebook-Gruppe.

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¬ geschrieben von admin in Allgemein

20. Juni 2010

8 Kommentare

Zola Williams wohnt in Delft, einem Township, das als eines der gefährlichsten ganz Kapstadts gilt. Für ihn selbst ist das Viertel dagegen das geworden, was er sich immer schon gewünscht hat: eine Heimat. Dass jetzt die Weltmeisterschaft in sein Land gekommen ist, ist für Williams die Erfüllung dessen, wofür Nelson Mandela sein Leben lang gekämpft hat – ganz unabhängig vom Abschneiden der südafrikanischen Nationalmannschaft.

“Ich bin zufrieden” from Frey&Schaechtele on Vimeo

Wir machen uns in der Zwischenzeit wieder auf den Weg. Nächste Station: Berlin. In Deutschland ein großes Nest im Nordosten, in Südafrika ein kleines im Südosten.

PS: Vielen Dank an die Mitarbeiter von Andulela, die uns den Kontakt zu den Bewohnern von Delft vermittelt haben.

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¬ geschrieben von admin in Allgemein, Slideshows

20. Juni 2010

2 Kommentare

Bevor wir in die letzte Vorrunden-Woche gehen, nutzen wir die Zeit für ein paar Takte Landeskunde. Es geht um die südafrikanische Nationalhymne, die, so wie die Dinge stehen, am Dienstag zum letzten Mal durch die Lautsprecher deutscher Fernseher schallen wird. Diese Hymne ist nicht nur musikalisch ein Höhepunkt dieser Weltmeisterschaft, sie ist auch in anderer Hinsicht ein Unikum: In ihr vermengen sich mehrere Sprachen. Wir haben Wonga gebeten, einen Jungen aus dem Township Walmer in Port Elizabeth, uns das Geheimnis dahinter zu erklären.

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“Ich bin Wonga aus Walmer Township. Es steckt kein besonderes Geheimnis hinter der Hymne. Es ist einfach ein Gebet, das in vier Sprachen aufgeteilt ist. Das sind Xhosa, Sotho und Englisch, weil wir eine sehr heterogen… und Afrikaans, es sind also vier Sprachen in einer Hymne, um zu zeigen, dass wir eine sehr heterogene Gesellschaft sind.

Nkosi sikelel’ iAfrika – God bless Africa.
Maluphakanyisw’ uphondo lwayo – Lift us up and make us proud.

Man sagt das zweimal und wechselt dann in eine andere Sprache.”

Vielleicht sollte sich daran auch die deutsche Hymne ein Beispiel nehmen und zwischen Hochdeutsch, Bayerisch und Schwäbisch hin- und herwechseln. Vielleicht aber auch besser nicht.

Übrigens: Morgen gibt es hier an dieser Stelle die nächste Ton-Bild-Reportage, diesmal über unseren Besuch im Kapstädter Township Delft.

Update: Und hier noch ein paar Zahlen: 730, 194 und 1. Die erste ist die aktuelle Summe auf unserem Unterstützer-Konto. Jeder, dem gefällt, was wir für Geschichten von den Rändern dieser Weltmeisterschaft erzählen, ist eingeladen, unsere Arbeit mit einem eigenen Beitrag zu unterstützen, so wie diese Damen und Herren. Die zweite ist die Anzahl der Mitglieder unserer Wintermärchen2010-Facebook-Gruppe. Wer sich ihr anschließen möchte, weil er sich sonst im Internet so verloren fühlt: hier entlang, bitte. Und die dritte Ziffer umfasst die Anzahl der von einem handfesten Winter-Schnupfen gepeinigten Mitarbeiter unseres Zwei-Mann-Teams. Nachts kühlt es auf unter zehn Grad ab – und es gibt keine Heizung in unserem Township-Haus.

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¬ geschrieben von admin in Allgemein

19. Juni 2010

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Es war nicht das Spiel, das uns am Ende ein Loch in die Magengrube gefressen hat. Es waren die Kids aus Walmer, die noch lange nach Spielschluss verloren herumstanden und nicht wussten, wohin mit sich und ihrer Enttäuschung. Wir waren gestern im Stadion von Port Elizabeth, um uns das Spiel Deutschland gegen Serbien anzusehen, gemeinsam mit etwa 40 Jugendlichen aus Walmer, die ihre Karten Spendern aus Deutschland zu verdanken hatten (mehr dazu am Dienstag, hinter dieser Spendenaktion verbirgt sich eine sehr reizende Geschichte). Am Vormittag hatten sie sich im Masifunde-Center in Walmer getroffen, voller Vorfreude darauf, zu einem WM-Spiel zu fahren. Deutschland gegen Serbien – die Heimat der Masefundi-Mitarbeiter gegen ein Land, von dem die meisten bis dahin gar nicht gewusst hatten, dass es existiert.  Für sie war die Sache deshalb klar: Deutschland würde dieses Spiel locker nach Hause fahren, hatten sie doch im Auftaktspiel die Australier schon mit vier Toren vom Platz gewischt. Und so gerieten schon die Vorbereitungen zu einem würdigen Warm-Up: Die Mädchen bemalten sich die Wangen, die Jungs übten die deutsche Nationalhymne. Oder zumindest das, was sie davon aussprechen konnten.

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Schließlich wollten alle zusammen Podolski, Klose und Schweinsteiger so feiern, als wären es Spieler der südafrikanischen Nationalelf. Und dann erlebten sie nur zwei Tage nach dem deprimierenden 0:3 ihrer Jungs gegen Uruguay, wie auch die deutsche Mannschaft einen Tag erwischte, der von vorn bis hinten unter einem schlechten Stern stand. Gelb-rote Karte, im Gegenzug das Gegentor, ein Lattentreffer und ein verschossener Elfmeter – das einzig Schöne an diesem Nachmittag war das Wetter. Wir saßen im T-Shirt auf der Tribüne, bei strahlend blauem Himmel, und als wir nach nach Spielende aus dem Stadion kamen, blickten wir auf den glitzernden Ozean. Aber auch dieser Anblick konnte die Enttäuschung der Jugendlichen nicht lindern. Umso reizender war das, was sie uns auf dem Weg ins Stadion erzählt haben. Wir werden ihre Geschichten am Dienstag in einer neuen Ton-Bild-Reportage präsentieren. Und am Tag davor, am Montag, werden wir hier unsere Reportage aus dem Kapstädter Township Delft zeigen, gewissermaßen als Einstimmung auf den mutmaßlich letzten Auftritt der Südafrikaner bei dieser WM in der kommenden Woche.

Wo wir schon dabei sind, ein paar Takte über den unterschiedlichen Umgang mit einer Niederlage. Wir saßen in der deutschen Kurve, unter Fans, die zum Teil extra aus Deutschland angereist waren und zum anderen Teil hier leben. Nach dem Spiel setzte bei vielen Deutschen das rituelle Gemaule über den Spielverlauf ein: Löw habe beim Wechseln alles falsch gemacht, Podolski und Özil hätten überhaupt nichts gebracht – dieselben Leute haben sich nach dem Australienspiel bestimmt alle noch in den Armen gelegen, als Podolski das eins zu null ins Netz gezimmert hatte. In unserem Block saßen aber auch viele Südafrikaner, die sich einfach ein WM-Spiel hatten ansehen wollen und zufälligerweise Tickets für dieses Spiel bekommen hatten. Einer davon trug das gelbe Bafana, Bafana-Trikot der Südafrikaner, über seinen Kopf hob er ein Schild, auf dem stand: „We lost 0:3 – but we are still feeling it.“ Kann man sich eine würdevollere Haltung im Moment der Niederlage vorstellen? Wir sind inzwischen seit über zwei Wochen unterwegs in diesem Land. Und wir können sagen: Wir spüren es auch noch.

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¬ geschrieben von admin in Allgemein

18. Juni 2010

2 Kommentare

Wir sind inzwischen in Port Elizabeth angekommen, über 700 Kilometer östlich von Kapstadt. Genauer gesagt: im Township Walmer. Und noch genauer: bei Masifunde, einem deutschen Verein, der Kindern aus dem Township dabei hilft, in der Schule gut voranzukommen. Wenn es in Deutschland heißt, Bildung sei der Schlüssel zu einem erfolgreichen und erfüllten Leben, klingt das nach Sonntagsrede. In Südafrika ist Bildung bzw. Miss-Bildung dagegen ein alltägliches Problem, an nichts mangelt es diesem Land so sehr wie an einer ordentlichen Schulbildung für die schwarze Bevölkerung. Die Mitarbeiter von Masifunde versuchen, diesen Mangel auszugleichen, so gut sie können; unter anderem Jakob und Sören, zwei Studenten aus Deutschland, die beide für ein Jahr nach Südafrika kamen. Sie haben unseren Blog gelesen und uns in ihr kleines Häuschen mitten im Township eingeladen, darin haben wir jetzt unser Lager aufgeschlagen. Das Haus nebenan, kaum größer als unseres, beherbergt eine Kirche, aus der zu unserer Ankunft die Lieder des Kirchenchors herüber wehten, nachts bellen die Hunde aus der Nachbarschaft. Und über allem liegt das orangefarbene Licht der townshiptypischen Straßenlaternen. Welcome to Walmer.

Der Schlüssel für ein erfolgreiches Leben ist eine vernünftige Schulbildung – für viele Kinder in Südafrika bedeutet das im Umkehrschluss, dass sie auf ihrem Weg früher oder später vor den verschlossenen Türen der wohlhabenden Schichten dieser Gesellschaft stehen werden. Oder sie werden nur eingelassen, um das Haus zu putzen, und danach wieder nach Hause geschickt. In den Townships sind die Zustände oft katastrophal: Klassen mit 60 Schülern sind genauso wenig eine Seltenheit wie Lehrer, die wegen des miserablen Gehalts, das sie beziehen, keine Lust haben zu unterrichten. Damit reproduziert sich ein krankes System immer wieder selbst: Die Kinder gehen ohne vernünftigen Abschluss von der Schule und tun sich anschließend schwer, in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Dadurch fehlt ihnen dann das Geld, ihren Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen.

Es ist der Fußball, der vielen eine Perspektive gibt, die die Schule ihnen versagt. Und das gilt beileibe nicht nur für die Jungs. Noch in Kapstadt haben wir ein Mädchen kennengelernt, dem dieser Sport zum Lebensinhalt geworden ist. Ihr Name: Fjukasi Matua. Sie gehörte zu der Mannschaft, die das Mädchenturnier auf dem Powerchild-Campus gewann, von dem wir hier schon einmal erzählt haben. Die Entscheidung fiel, wie es sich zu Zeiten der Weltmeisterschaft gehört, erst im Elfmeterschießen. Nach dem Ende des Turniers kam sie auf uns zu und fragte, ob wir nicht ein Interview mit ihr führen könnten. Konnten wir.

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“Ich heiße Fjukasi Matua, ich bin 15 Jahre alt. Der Name meiner Mannschaft ist Ikamwa, ich komme aus Nyanga. Das letzte Spiel war hart, wir haben im Elfmeterschießen gewonnen. Ich habe mit dem Fußballspielen in der Primary School angefangen. Wir haben nur zum Spaß gespielt, doch dann habe ich erkannt, dass ich Talent zum Fußballspielen habe. Also bin ich in die Schulmannschaft gegangen. Ich liebe Fußball, es ist ein toller Sport. Aber wenn man die Jungs sieht – JUNGS… Die glauben, dass Mädchen nicht Fußball spielen können. Aber wir haben ihnen gezeigt, dass wir es drauf haben.”

Sie habe, erzählte sie zum Schluss, vom Fußball Disziplin gelernt und die Fähigkeit, mit anderen zu kommunizieren. Ihr Ziel ist es, eines Tages Fußballprofi zu werden. Als wir ihr zum Abschied sagten, dass sie immerhin im Geben von Interviews schon sehr professionell sei, winkte sie ab und sagte: „Ach, das war ja auch schon mein zweites.“

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¬ geschrieben von kaischaechtele in Allgemein

16. Juni 2010

1 Kommentar

Als wir Menschen in Kapstadt erzählten, wo wir uns das zweite Gruppenspiel der Südafrikaner ansehen würden, sah uns die Mehrheit an, als hätten wir vor, ohne Fallschirm vom Tafelberg zu springen. Wir waren verabredet mit Sabelu Maku. Er arbeitet als Tourguide für Andulela, eine Agentur, die unter anderem Touren in die Townships organisiert. Maku lebt in Delft, einem Kapstädter Township, von dem man sich in den wohlhabenderen Stadtteilen erzählt, dass die Menschen nach Einbruch der Dunkelheit ihre Türen von innen absperren. Wäre das tatsächlich so gewesen, hätte Maku das Fleisch, das er extra für uns auf den Grill vor seinem Haus geworfen hatte (der in Südafrika nicht Grill, sondern Braai heißt), leider verbrennen lassen müssen.

Maku lud uns spontan zu sich nach Hause ein, als wir ihn fragten, ob er Lust habe, sich das Spiel Südafrika gegen Uruguay gemeinsam mit uns anzusehen. Und so verbrachten wir diesen Abend mitten im Township mit etwa 15 Delftern , die in den Abend voller Hoffnung starteten und am Ende Tränen in den Augen hatten. Auch der Hausherr konnte seine Enttäuschung nicht verbergen.

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“Ich heiße Sabelo Maku, ich arbeite als Tourguide für „Andelula Experience“, einen Tourenveranstalter in Kapstadt. Ich lebe in Delft, das liegt direkt hinter dem Flughafen und ist ein Post-Apartheids-Township, in dem sich die Rassen inzwischen ein bisschen mehr vermischt haben. Hier leben 60 Prozent Coloureds und 40 Prozent Schwarze. Ich bin sehr enttäuscht über den Ausgang des Südafrika-Spiels. Wir hatten so große Hoffnungen darin gesetzt, deshalb ist das jetzt einfach traurig. Aber der Erfolg dieser Weltmeisterschaft hängt für uns nicht von diesem Spiel ab. Viel wichtiger ist, was die Welt von Südafrika wahrnimmt. Diese WM ist dafür da, dass die Menschen sehen, was in Südafrika tatsächlich passiert.”

Trotz des deprimierenden Spielausgangs haben wir mit Sabelo Maku und seinen Freunden einen sehr schönen Abend erlebt. Und wir haben uns zu keiner Sekunde unsicher gefühlt. Das aber lag daran, dass wir bei Leuten eingeladen waren, denen wir vertrauen konnten. Einer von Sabelus Freunden sagte zu uns: “Ihr müsstet jetzt nur hier diese Straße runterlaufen und könntet sicher sein, hinter der nächsten Straßenecke überfallen zu werden. Die Leute würden sich denken: Die Typen gehören nicht hierher. Also können wir sie auch ausrauben.” Eine Ton-Bild-Reportage über unsere Nacht in Delft werden wir hier auf dieser Seite präsentieren, sobald sie fertig ist.

Das wird auch deshalb etwas länger als gewohnt dauern, weil wir uns nun auf den Weg machen nach Port Elizabeth. Unsere Zeit in Kapstadt ist zu Ende, wir brechen auf zur nächsten Station unserer Reise, wo wir uns am Freitag um halbzwei Deutschland gegen Serbien ansehen werden. Vielleicht erkennt uns ja der ein oder andere im Fernsehen – wahrscheinlich sogar im T-Shirt. Die aktuelle Wetterprognose für Freitag: Sonne bei 21 Grad. Na dann: nichts wie los.

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¬ geschrieben von kaischaechtele in Allgemein

16. Juni 2010

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Obwohl Ukeme Umana aus Nigeria stammt, ist er für die Menschen in Afrika keiner mehr von ihnen. Denn er ging als Jugendlicher nach Amerika, um dort die Schule zu besuchen. Und er blieb. Heute lebt er mit seiner Frau und den drei Söhnen in Illinois und ist im amerikanischen Mittelstand angekommen. Sein Slang klingt mehr nach Washington als nach Lagos, die Söhne haben die Highschool besucht und allesamt einen ordentlichen Abschluss hingelegt. Zum Dank hat er ihnen einen Trip zur Weltmeisterschaft nach Südafrika geschenkt. Und so reisen die Umanas seit einer Woche durchs Land. Sie starteten in Durban und waren beim 4:0-Sieg der Deutschen über Australien im Stadion, jetzt sind sie in Kapstadt gelandet. Noch bis Ende Juni sind sie die WM-Touristen, auf die Südafrika seit der Vergabe dieser WM vor sechs Jahren so sehr gehofft hatte und von denen jetzt weit weniger im Land sind, als die Fifa in Aussicht gestellt hatte.

Aus der Perspektive europäischer Medien müsste man allerdings sagen: Noch mindestens zwei Wochen lang schweben die Umanas in akuter Lebensgefahr, sobald sie nur den Fuß vor die Hoteltür setzen. Südafrika gilt als so gefährlich, dass für viele Beobachter aus dem Ausland ein Überfall während der WM wahrscheinlicher ist als der WM-Gewinn der Brasilianer. Das Problem solcher Beobachter ist allerdings oft: Sie beobachten aus dem Ausland, wahrscheinlich aus Angst, dass genau das passieren könnte, wovor sie gewarnt haben, wenn sie nur selbst hierher kämen.

Die Umana haben sich trotzdem getraut und in den vergangenen Tagen einen gänzlich anderen Eindruck von Südafrika gewonnen, erzählt der Vater.

Ukeme Umamas Sicht der Dinge from Frey&Schaechtele on Vimeo.

Wer Weltmeister wird? Mit seiner Antwort beweist Ukeme Umana nicht nur, dass er inzwischen auch fußballerisch in Amerika verwurzelt ist. Sondern auch, dass bei ihm Begeisterung über Sachverstand geht: „natürlich die USA“.

Update: Bald haben wir die 1000er-Grenze erreicht. Der aktuelle Stand unseres Unterstützerkontos: 682,87 Euro. Dafür mal wieder eine ordentliche Vuvuzela-Fanfare. Vielen Dank.

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¬ geschrieben von admin in Allgemein, Slideshows

15. Juni 2010

5 Kommentare

Gerade in Zeiten großer Aufregung tut es not, sich ab und an zurückzuziehen. Luft zu holen. Die Stille zu genießen. Und sich auf die Suche zu machen nach etwas, was einem wieder Hoffnung gibt. Mit anderen Worten: Wir waren heute am Kap der guten Hoffnung. Auf die WM wollten wir aber trotzdem nicht verzichten. Also haben wir das Spiel Kamerun gegen Japan auf SA fm verfolgt und das Aufnahmegerät mitlaufen lassen. Im Laufe der Reportage entwickelte sich der Kommentator immer mehr zum Edi Finger Südafrikas. Wir finden, er hat es deshalb verdient, in einer Hommage verewigt zu werden.

Kamerun – Japan, 90. Minute from Frey&Schaechtele on Vimeo.

Nach etwas einer Woche sind wir jetzt einigermaßen angekommen in diesem Land. Nur noch selten versucht der Mann am Steuer, den Wagen auf die rechte Fahrbahnseite zu steuern, wir haben erfolglos versucht, das Wort “Xhosa” so auszusprechen, das die Zunge beim X schnalzt. Doch unser Eindruck von diesem Land unterscheidet sich mitunter so sehr von dem Bild, das die deutschen Medien von hier aus nach Deutschland senden, dass man meinen könnte, es fänden zwei WMs statt – die eine hier und die andere in einem Disney-Afrika. Gestern zum Beispiel hatten wir das Vergnügen, das Auftaktspiel der Deutschen im Deutschen Club zu sehen, der sich eher als Skatclub eignet denn als Fußballkneipe. So kamen wir in den Genuss der Vorberichterstattung des ZDF. Die Reportage kurz vor Spielbeginn über den Besuch im Open Air-Museum, mit Baströckchen und Eingeborenen-Tänzen, steht für das, was in Südafrika tatsächlich passiert, so sehr wie ein Bericht über das Kaltenberger Ritterturnier für das Bild von Deutschland. Und deshalb empfehlen wir zum Ausgleich sehr die Lektüre des Offenen Briefes, den der südafrikanische Sportmoderator Peter Davies an seine Kollegen aus dem Ausland geschrieben hat. Er endet mit dem Satz: “With a dollop of the right attitude, this country will change your life.” Hoffentlich liest den auch der ein oder andere Kollege, wenn er von seinem Ausflug aus Disney-Afrika zurückgekehrt ist.

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¬ geschrieben von admin in Allgemein, Slideshows

14. Juni 2010

5 Kommentare

Wir haben uns unter anderem auf den Weg nach Südafrika gemacht, um herauszufinden, was die WM aus diesem Land macht. Eine Antwort können wir jetzt schon geben: Sie macht es ärmer. Genauer gesagt: noch ärmer. Die Kosten für die Modernisierungsarbeiten am Soccer City-Stadion in Johannesburg zum Beispiel, in dem Südafrika am Freitag einen so mitreißenden Start in dieses Turnier hingelegt hat, waren ursprünglich angesetzt auf 220 Millionen Rand, das sind umgerechnet über 23,5 Millionen Euro. Für ein Land, in dem Millionen von Menschen in Hütten leben, die wie aufeinander geworfene Schuhschachteln aussehen, ist das eigentlich ohnehin schon eine kaum zu verantwortende Investition. Wie viele Häuser könnte man von diesem Geld bauen, wie viele Wasserleitungen verlegen und wie viele Toiletten installieren. Gut, könnte man sagen, das ist eben der Preis, den ein Land zu bezahlen hat, wenn es eine WM ausrichten möchte. Doch im Falle des Soccer City-Stadions war der Preis noch viel höher: Die Kosten beliefen sich am Ende auf unvorstellbare 3,3 Billionen Rand. Es war das Verdienst der Wochenzeitung Mail & Guardian, solche Fakten ans Licht zu bringen. Das Budget ist um mehr als Zehnfache überzogen worden. Für ein Stadion, das nun vier Wochen lang strahlt – und danach kaum noch gebraucht wird. Die südafrikanische Fußballliga ist in ihrem Zuschauerzuspruch in etwa mit der österreichischen vergleichbar: Wer braucht da noch ein Stadion mit einer Kapazität von 94 700 Zuschauern?

Nicht die Fifa wird am Ende die Zeche dafür zahlen, nicht die nationalen Verbände, die ihre Mannschaften hierher entsandt haben, und nicht die Werbepartner. Es sind die Südafrikaner, deren Steuern in prunkvolle Fußballtempel geflossen sind, die nach der WM wie Mahnmale der Zügellosigkeit zurückbleiben werden. Wir haben in den vergangenen Tagen mit vielen Südafrikanern gesprochen, die für dieses Turnier keinen Funken Begeisterung aufbringen können. Nicht, weil sie sich nicht für Fußball interessieren würden, sondern, weil sie so verbittert sind über die Ungerechtigkeit, die mit der Ausrichtung dieser WM einhergeht. „Nein, ich interessiere mich kein bisschen für dieses Turnier“, sagte zum Beispiel William, der uns heute nach dem Besuch in der Moschee auf einen Kaffee besucht hat (er ist der Schwager von Neil). „Und ich will kein einziges Spiel sehen. Hier leben die Menschen auf engstem Raum, die nicht wissen, was sie abends essen sollen. Und die Regierung hat unser Geld zum Fenster rausgeworfen, um neue Stadien zu bauen, die danach niemand mehr brauchen wird.“ Der Stolz der Südafrikaner darauf, dass die ganze Welt nun auf sie blickt, auf der einen Seite und die Verbitterung darüber, zu welch hohem Preis sie sich diese Aufmerksamkeit erkauft haben, auf der anderen: Dies sind die Pole, zwischen denen sich diese Weltmeisterschaft abspielt.

Und dann fährt man nachmittags ins Township Mfuleni, etwa 30 Kilometer vom Zentrum Kapstadts entfernt, und sieht, was der Fußball trotz allem bewirken kann. Wir haben ein Turnier besucht, das auf dem Gelände des Powerchild-Campus stattfand, mitten im Township mit der zweithöchsten Mordrate Kapstadts. Der Campus wird betrieben vom Münchner Verein Power-Child, und es war der Bayerische Fußballverband, der das Turnier für Kinder aus dem Township ausrichtete und zum Schluss weiß-blaue Wimpel mit dem Verbandslogo verteilen ließ. Die Kinder aus Mfuleni sollen schließlich wissen, dass der Fußballgott eigentlich ein Bayer ist.

Der Campus und seine nebenan liegenden Fußballplätze sind inzwischen zu einem festen Bestandteil der Gemeinde geworden. Hier werden Kinder betreut, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Sie lernen die Grundregeln von Hygiene kennen und können auch hier schlafen, wenn es notwendig ist. Über ein Jahr musste Astrid Gräfin Schimmelpenninck, die Leiterin des Campus, darum kämpfen, von der Gemeinde akzeptiert zu werden. Der Fußballplatz hat ihr dabei geholfen. Erstens, weil die Kinder allein deshalb gern dorthin kommen, um zu kicken, und den pädagogischen Stoff gewissermaßen in der Halbzeitpause mit auf den Weg bekommen. Und zweitens, weil inzwischen sogar die Fußballmannschaft der örtlichen Polizeieinheit dort trainiert. Als die Menschen in Mfuleni das sahen, wussten sie, dass sie ihre Kinder ruhigen Gewissens zu Schimmelpenninck und ihren Mitarbeiterinnen schicken können.

Und weil wir nicht nur nach Südafrika gekommen sind, um den Vorhang zu lüften, sondern auch, um etwas zu lernen, haben wir zum Schluss unseres Besuchs in Mfuleni Pumsa Fanape gebeten, uns eine kleine Sprachlektion zu erteilen: in Xhosa, der weit verbreitetsten Sprache unter der schwarzen Bevölkerung. Bitte gut aufpassen und repetieren, nach unserer Rückkehr wird abgefragt.

Eine Sprachlektion mit Pumsa Fanape from Frey&Schaechtele on Vimeo.

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¬ geschrieben von kaischaechtele in Allgemein, Slideshows

13. Juni 2010

6 Kommentare

Vuvuzela-Bläser auf der Long Street in Kapstadt

Tag eins nach dem Start der WM begann mit einem Elefanten, der gegen acht Uhr um unser Haus schlich und jammerte – wahrscheinlich hatte er einen Kater nach den rauschenden Feiern des Auftakt-Unentschiedens. Es könnte aber auch einfach nur ein Südafrikaner gewesen sein, der mit dem, was von seinen Lippen übrig war, in eine Vuvuzela blies. Die Cape Argus, eine von zwei Kapstädter Tageszeitungen, berichtete heute über ein neues Krankheitsbild, das sich unter Südafrikanern breitmacht: “sore lips”. Zu Deutsch: “wunde Vuvu-Lippe”. Die Lippen des Menschen sind einfach nicht geschaffen für ununterbrochenes Vor-sich-hin-Trompeten. So gesehen besteht also Hoffnung für all diejenigen, denen diese WM schon jetzt zu den Ohren heraushängt: Die Südafrikaner werden das Getröte in den kommenden vier Wochen allein körperlich gar nicht durchhalten können.

Nachdem sich der verkaterte Elefant verzogen hatte, haben wir uns auf die Suche gemacht nach den Fanfesten, die hier an fünf Orten aufgebaut sind: das größte in der Innenstadt, die kleineren in den Vororten und im Township Khayelitsha. Diese Feste sollten ein Beitrag sein dafür, dass sich die Südafrikaner diese WM auch tatsächlich ansehen können. Das ist hier beileibe keine Selbstverständlichkeit. Kapstadt zum Beispiel hat drei Millionen Einwohner. Das klingt nach Metropole, nach U-Bahn-Netz und Nahverkehrssystem. Die Wirklichkeit aber sieht so aus: Die wohlhabenden Südfrikaner fahren alle Auto, was dazu führt, dass morgens die Highways in Richtung Innenstadt verstopft sind und abends die in die andere Richtung. Diejenigen, die sich kein Auto leisten können, quetschen sich in Neun-Mann-Busse, die sogenannten Minitaxis. Es gibt zwar ein paar Bus- und Zuglinien, die aber tragen kaum zur Entlastung des Verkehrs bei. Kurzum: Viele Menschen haben einfach keine Möglichkeit, zur WM in die Innenstadt zu kommen – also, so war die Idee, sollte die WM zu den Menschen gehen, nach Belleville zum Beispiel, 20 Kilometer von Kapstadt entfernt. Dort angekommen aber mussten wir und ein paar andere, die sich mit Fahnen und Tröten auf den Weg gemacht hatten, ernüchtert feststellen: Am Wochenende hat die WM zu, zumindest in Belleville. Das Fanfest macht erst wieder am Montag auf. Auch für das Spiel der Deutschen gegen Australien werden die Tore in Belleville nicht geöffnet werden.

Apropos Deutschland: In Durban in der Startaufstellung, in Kapstadt an der Hauswand – Miro

Zum Schluss haben wir leider eine traurige Mitteilung zu machen: Der erste Partner unserer Mission hat uns bereits nach einer Woche wieder verlassen. Es ist der Reifen hinten links – er wollte Schächteles beherzten Satz über die Bordsteinkante einfach nicht mitmachen. Wir haben nun den Notreifen montiert und werden morgen Ersatz beschaffen. In der Zwischenzeit können unsere Leser ganz in Ruhe darüber nachdenken, ob sie, hüstel, zum Ausgleich oben rechts auf den “Unterstützer”-Button klicken wollen. Der aktuelle Stand unseres Unterstützer-Kontos: 533,93 Euro. Dafür sagen wir schonmal vielen Dank.

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¬ geschrieben von kaischaechtele in Allgemein

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